Sascha Rieger ist nicht in der traditionellen Familie aufgewachsen – die Eltern, junge Menschen der 68er Generation, haben sich getrennt, als er noch ein Kleinkind war, wodurch er die Geborgenheit der Familie nicht kennen lernen konnte. Dafür aber erfuhr Aufgeschlossenheit, Vorurteilsfreiheit, Weltoffenheit und die Vielfalt sozialer Beziehungen – und er musste Eigenständigkeit entwickeln, um in diesem sozialen Umfeld auch als Kind existieren zu können.
Aus dieser persönlichen Situation entstand bei Sascha
Rieger als Kind ein ausgeprägter Wunsch nach dem, was er nicht hatte – nämlich
nach einer Familie, die er im engeren Sinn vermisste.
Zu diesem Wunsch gesellte sich in der typischen Sturm-und-Drang-Zeit
auch ein anderer oft geäußerter Wunsch hinzu: Künstler
zu werden, mit Vorbildern aus dem Surrealismus und der KlassischenModerne.
Sascha Rieger ist ein Mensch, der mit ganz enormen handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten begnadet ist – Fähigkeiten, die er seit jeher benutzt hat, um zu gestalten. Er ist mit seinen künstlerischen Begabungen aber kein Künstler in dem Sinn, dass er sich weltabgewandt der Kunst hingibt, sondern einer, der im Leben steht und versteht, auch das Leben nach seinen Vorstellungen und Wünschen zu gestalten. Er kann seine Lebenswünsche klar definieren und seine Lebensziele auch umsetzen.
Und seine Lebensziele sind ganz unmittelbar mit seiner Kunst verbunden, sie sind in seiner Kunst abzulesen. Das heißt: seine Kunst dient ihm unmittelbar zur Umsetzung seines ganz persönlichen Beziehungsfeldes und seiner Empfindungen.
Zur Ausstellung:
Bei dieser Ausstellung sind Werke gezeigt, die in den letzten beiden Jahren entstanden sind. In diesen zwei Jahren waren bereits zwei kleine Kinder geboren, verbunden damit, ein intensives Familien- und Beziehungsleben zu pflegen. Und ein drittes (Wunsch-)Kind kam in dieser Zeit noch dazu.
Diese Lebenssituation birgt eine ganz intensive emotionelle Ebene
und brachte den Künstler ein Stück näher seinem Lebenswunsch, der seit seiner Kindheit vorhanden war: nämlich einmal eine Großfamilie zu haben, in der Vieles Platz finden soll und auch Platz finden kann. Die Familie als Kern, der sich aber auch öffnet und ausdehnt auf Freundschaft, soziale Integrität und größte Offenheit dem Neuen gegenüber, die auch neue Erfahrungen erlaubt.
Betrachtet man die künstlerischen Arbeiten, dann sind genau die Inhalte ablesbar, die im Leben Sascha Riegers wichtig sind: die Liebe zu seiner Frau Ilse, die Geburt seiner Kinder Samuel, Samira und Sandro; darüber hinaus aber auch die enorme Breite an Gefühlen und Grundsätzen, die das soziale, das menschliche Miteinander erlebbar und schön machen.
In diesem Kontext ist wohl auch der Titel der Ausstellung zu verstehen: das [Immer Ewige], die Liebe, die Verantwortung; philosophische Gedanken, die von unterschiedlichen Gedanken geprägt sind, vor allem auch von der Jüdischen Kultur, zu der sich Sascha Rieger aufgrund seiner Familienherkunft immer zugehörig gefühlt hat. Wichtig für ihn ist auch die astrologische Dimension, ist ja der „Fisch“, sein Sternzeichen, ein Motiv, das sich in seinen Bildern immer wieder findet.
Eine kunsthistorische und inhaltliche Interpretation ist insofern möglich, als die Werke Sascha Riegers ein emotionales Spektrum wiedergeben: seine Werke sind ein ganz persönlicher Ausdruck seiner Lebenswelt und seiner Lebensform, die er sich autonom und selbständig erarbeit hat, und der zu seiner Lebensphilosophie gehört. Er hat sich sein ganz individuelles Leben erobert, es selbst gestaltet. Auch als Künstler ist er Autodidakt, der sich nicht leicht in eine beliebige oder „trendig-zeitgeistige“ Kunstströmung einordnen lässt. Auf beiden Ebenen – im Leben wie in der Kunst – hat er experimentiert, hat er aber auch Unterstützung und Erfahrungen von Menschen annehmen können, die er schätzt, um so seinen eigenen Weg zu finden. Einen Weg, der offen ist, auf dem man Erfahrungen sammeln und auch in das Leben einbinden kann. Und den er hoffentlich auch weiter geht – sowohl im Leben wie auch in seiner Kunst.
In diesem Sinn möchte ich Sascha Rieger viel Erfolg für seinen weiteren Werdegang wünschen.
Dr. Elfriede Iby